Ohne Tempolimit über die Datenautobahn im Norden
Flensburg | 27.01.2010 | shz.de
Die Ausstattung mit Breitband-Internetanschlüssen ist ein heikles Thema: Größere Städte sind meist gut versorgt - in ländlichen Gebieten ist die Versorgungslage hingegen meist schlecht. Häufig fehlen die unterirdischen Leitungen.
"Zugang zum Internet mit verhältnismäßig hoher Datenübertragungsrate ist Teil der notwendigen Infrastruktur", fordert daher Dirk Müller, Vorsitzender des Technologie- und Innovationszentrums Breitband (TIB) Nord. Das TIB Nord mit Sitz in der Flensburger Lise-Meitner-Straße hat sich genau dies auf die Fahnen geschrieben - den Ausbau einer zukunftsorientierten Breitband-Infrastruktur in Norddeutschland. Zu den Gründungsmitgliedern des Vereins gehören die Fachhochschule Flensburg, der Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE) Region Nord sowie die Flensburger Firma Netzkontor Nord.
Das TIB will Fachwissen bündeln und das konzentrierte Know How mittels Workshops und Seminare an Verantwortliche in der Region weitergeben. "Denkbar wären hier Fortbildungen für Elektroinstallateure, Stadtplaner oder Mitglieder politischer Gremien", erläutert Peter Schmidt, Geschäftsführer von Netzkontor Nord und Vorstandsmitglied im TIB. Wie sein Kollege Dirk Müller, hat auch der 42-jährige Ingenieur zuvor bei einem großen Netzanbieter gearbeitet. Von dieser Kombination aus Wirtschaftserfahrung und Wissenschaft erhoffen sich die Fachleute einen neuen Impuls für die Entwicklung des Breitbandausbaus in der Region.
Die Vorteile einer flächendeckenden Breitbandinfrastruktur liegen für Dirk Müller auf der Hand. Ist ein Breitbandzugang verfügbar, sei dies ein Standortvorteil. Nicht nur Privatpersonen, sondern auch Unternehmen könnten so in ländliche Gegenden gelockt werden. Beispielsweise Steuer- und Architekturbüros könnten heute ohne effektive Internetverbindungen nicht arbeiten, erklärt Schmidt. "Wer zuhause über den PC arbeitet, der spart Geld und schont das Klima - man spart sich den motorisierten Weg zur Arbeit", sagt Geschäftsführer Schmidt. Noch koste ein Anschluss durch die Verlegung eines Glasfaserkabels 2000 bis 4000 Euro für den Bauherren. "Zu teuer", finden die Männer von Netzkontor. Zweckgebundene, günstige Kredite könnten hier helfen. "Eine wichtige Maßnahme wäre es, den Betrieb der Leitungen von den Diensten zu entkoppeln", sagt Dirk Müller. Hier gelte der alte Grundsatz, umso mehr Anbieter - umso größer sei der Wettbewerb. "Der Kunde würde davon profitieren", ergänzt Peter Schmidt.